Akupunktur

Alte Darstellung eines Akupunkturarztes
Alte Darstellung eines Akupunkturarztes

Unter den  zahlreichen Definitionen von Akupunktur sticht eine nach Roger de la Fuye (1890-1961) in einfacher Klarheit hervor:

„Die Akupunktur verwendet Einstiche mit Gold- und Silbernadeln an genau festgelegten Hautpunkten, die spontan- oder druckschmerzhaft sein können, bei funktionellen reversiblen Erkrankungen oder Störungen zu diagnostischen und / oder therapeutischen Zwecken. Der aus dem lateinischen stammende Begriff Akupunktur selbst setzt sich aus: „acus“ (die Nadel) und „punctio“ (das Stechen) zusammen.

Erste Spuren zu den Ursprüngen der Akupunktur finden sich etwa 6000 vor Christus, als man mit Steinnadeln versuchte Schmerzen zu lindern oder infizierte Wunden zu öffnen. Das taoistische Weltbild von „Yin und Yang“ und die später entstandene „Fünf Elemente Theorie“ wurden in die am Menschen beobachteten Veränderungen eingeflochten und weiterentwickelt. Es gibt zahlreiche literarische Abhandlungen mit genauen medizinischen Betrachtungen über die damals gesammelten Erfahrungen. Als Standardwerk der chinesischen Medizin gilt das Buch „Die Medizin des Gelben Kaisers“, („Huangdi Neijing“, zwischen 475 und 221 v. Chr. verfasst). Im Anschluss daran entwickelten sich verschiedene medizinische Schulen und Richtungen, die bis in die Neuzeit verfolgbar sind.

Die westliche Medizin unternahm in den letzten Jahrzehnten intensive Forschungsarbeiten, um auch der Akupunktur im wissenschaftlichen Verständnis einen festen Platz einzuräumen. Dabei gelang es, eine mittlerweile große Anzahl von positiven Untersuchungsergebnissen - auch im Sinne der evidenzbasierten Medizin (EbM, von englisch evidence-based medicine „auf Beweismaterial gestützte Heilkunde“) zu erzielen.

In diesem Sinne wenden wir an unseren Patientinnen und Patienten der Seriosität verpflichtete und mit hoher Kompetenz ausgeführte Akupunkturbehandlungen an.

Das heißt, wir nützen das tausende Jahre alte Wissen Asiens und flechten es in neueste wissenschaftliche Forschungsergebnisse ein.

Wir grenzen uns damit bewusst von einem mit Esoterik oder Schamanismus verbundenen Verständnis der Akupunktur ab. Wir möchten darauf hinweisen, dass Akupunktur in Österreich bislang nur von Ärzten und in fachlichen Randgebieten von Hebammen verwendet werden darf, um hohe Qualitätsnormen zu erreichen. Darüber hinaus sind wir durch eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit führenden Universitäten in Südkorea (Kyunghee-University) und China (Liaoning University of Traditional Chinese Medicine) in der Lage, die neuesten Erkenntnisse der aktuellen Forschung in unsere Behandlung mit einzubeziehen.

In der Erforschung der Akupunktur im Westen galt der histologisch – anatomischen Untersuchung von Akupunkturpunkten bislang hohes Augenmerk, dennoch konnte bisher noch keine einheitliche, spezifisch nachweisbare Struktur für Punkte oder Meridiane gefunden werden.

Obwohl also die heutige Wissenschaft die Energieflüsse entlang der Meridiane noch nicht zur Gänze klären konnte, wird dieses Wissen mit der damit verbunden Behandlungstechnik seit über 2500 Jahren sehr erfolgreich verwendet.

Besser als die anatomischen Korrelate  hingegen ist die Wirkweise der Akupunktur belegt.

Wissenschaftlich erwiesene Wirkungen der Akupunktur

  1. Analgetische Wirkung
    Die analgetische Wirkung von Akupunktur ist wahrscheinlich am besten erforscht. In der Therapie von Kopfschmerz, Migräne, pseudoradikulärer Symptomatik oder Neuralgien hat sich Akupunktur vielfach bewährt und bestätigt. Zu erwähnen ist vielleicht noch die in den siebziger Jahren erstmals in Europa durchgeführte Operationsanalgesie bei Tonsillektomien, welche jedoch aufgrund der ungenügenden Steuerbarkeit der Intubationsnarkose auf Dauer unterlegen ist und nur in indizierten Fällen noch ausgeführt wird. (Analgetikaunverträglichkeit).
  1. Sympathikolytische Wirkung
    Durch Nadelreiz oder elektrischer Stimulation von Punkten der Hand konnte eine verstärkte Durchblutung der unteren Extremität erzielt werden. Beschrieben wird diese Wirkung von Kaada 1 der solche Studien in skandinavischen Krankenhäusern durchführte. Litscher 2 bewies die Änderung der cerebralen Durchflussgeschwindigkeit ausgewählter Gefäße nach Laser- oder Nadelstimulation von Akupunkturpunkten. 3
  1. Motorische und spasmolytische Wirkung:
    Schmerzhafte Bewegungseinschränkungen und Muskelverspannungen können durch Anwendung spezifischer Akupunkturpunkte beeinflusst werden. Durch Messung der EMG – Amplituden von Muskelaktionen konnte Bergsmann diese Wirkung verifizieren. Auch langjährige Paresen können noch gebessert werden, wie durch Studien mittels Schädelakupunktur bewiesen werden konnte. (Naeser 4 Yamamoto 5)
  1. Wirkung auf das Immunsystem
    Akupunktur führt,  um nur ein Beispiel anzuführen, zu einer signifikanten Abnahme von IgE, eosinophiler Leukozyten oder der Abnahme von IgA im Nasensekret, wie Joos 6 et al. bewiesen.
  1. Endokrine Wirkung:
    Untersuchungen gestagen- positiver Oligo- und Amenorrhoe wurde mittels Akupunktur dahingehend beeinflusst, dass sie der Antiöstrogen und Gonadotropinwirkung gleichwertig war. (Gerhard 7).
  • 1. Kaada, B.: Vasodilation induced by transcutaneous nerve stimulation in peripheral ischemia (Raynaud's phenomenon and diabetic polyneuropathy). Eur. Heart  J. 1982, 203 ff.
  • 2. Litscher, G.: Cerebral and peripheral effects of laser needle stimulation. Neurol. Res. 2003, Oct; 25 (7): 722ff
  • 3. Mastalier, O.: Reflextherapien in der Zahn- Mund- und Kieferheilkunde. Quintessenzverlag. Berlin 1991
  • 4. Naeser, M. A.: Research with Acupuncture and Low-energy Laser in the Treatment of Paralysis in Stroke Patients: ACT Scan Study Behavioral Neurology Grand Rounds, Harvard Med. School, Beth   Israel Hosp., Boston Mass. 1989
  • 5. Yamamoto, T. , Maric-Oehler, W.: Yamamoto Neue Schädelakupunktur YNSA, Chun-Jo, Freiburg 1991
  • 6. Joos, Schott, C., Zou, H., Daniel, V., Martin, E.: Immunmodulierende Wirkung der Akupunktur als ergänzende Therapie bei allergischem Asthma.  Erfahrungsheilkunde (1996) 10-14
  • 7. Gerhard, I., Postneek, F.: Möglichkeit der Therapie durch Ohrakupunktur bei weiblicher Sterilität. Geburtshilfliche Frauenheilkunde 48 (1998) 154-171